Sommerimpressionen aus Lappland
Text von Samuel Gründler, Fotos Samuel Gründler und vereinzelt Fadri Jecklin
Mit einer Bevölkerungsdichte von 1-2 Einwohnern pro km2 und den unzähligen, naturbelassenen Seen und auch Fliessgewässern ist Lappland ein Paradies für Fliegenfischer!
Der Sommer in Lappland ist kurz, aber intensiv. Es gilt seine Zeit möglichst gut einzuteilen. Obwohl die Mitternachtssonne die Nacht zum Tag macht, hat der Tag auch in Lappland nur 24 h und ein Tag ist immer viel zu kurz. Es gilt die richtige Mischung aus Lachs-, Äschen-, Saiblings-, Forellen-, Egli- und Hechtfischen zu finden. Denn obwohl ich 4 Monate in Lappland verbrachte, reichte die Zeit bei weitem nicht um alle Möglichkeiten auszukosten.
Bei meiner Ankunft im Mai ist der Tenojoki (der wohl grösste, noch völlig frei fliessende Fluss Europas) gerade erste eisfrei. Am Ufer türmen sich noch meterhoch die Eisplatten, ein eindeutiges Zeichen für das harte Klima im Norden Lapplands.

Bereits Ende Mai bin ich auf ersten Erkundungswanderungen zu den einsamen Fjällseen unterwegs. Allerdings noch ohne Fliegenrute, den während die Sonne bereits nicht mehr unter den Horizont sinkt, liegt über all noch Schnee und Eis. Eisfischen auf Saiblinge ist angesagt, zum Glück war der Eisbohrer mit im Gepäck.

Im Juni kann ich bereits die ersten Versuche auf Äschen wagen. Kurz nach der Laichzeit und der Schneeschmelze steigen die Äschen gut auf die Trockenfliege an die Oberfläche. Allerdings sind die Äschenbestände auch im wilden Lappland sehr empfindlich auf Befischung. Denn anders als unsere Schweizer Äschen wachsen die Fische hier nur sehr langsam und laichen erst im Alter von 4-5 Jahren zum ersten Mal. In Gewässer nahe den Strassen und Schneemobilrouten fehlen deshalb oft die Kapitalen Fische, welche für Grössen von 55cm+ über 10 Jahre benötigen.
Viel besser steht es um den Hechtbestand, der ein enormes Potential hat, da er von niemandem gezielt befischt wird und bei den - von Lachs, Meerforelle und Saibling verwöhnten - Norwegern kaum geschätzt wird.

Die Laichsaison startet ebenfalls im Juni und dauert etwa 2 Monate. In den langen und dunklen Wintermonaten habe ich viele Bücher gewälzt, Lachsfliegen gebunden und die Lachsprofis ausgequetscht. Nun am Wasser gilt es die graue Theorie in die Praxis umzusetzen. Dank gutem Guide, geglückt meine Lachspremiere bald. Es öffnet sich mir eine ganz neue Welt! Der erste Lachs war (fast zu) einfach, doch bis zum zweiten Lachs sollten über 100h erfolgloses Lachsfischen vergehen...

Anfangs Juli zeigen sich langsam die ersten Knospen an den Bäumen, doch von grün noch weit gefehlt. Ich bekomme Besuch von einer ausgewählten Dryfly Delegation und gemeinsam startet die Suche nach Saibling und Lachs. Bei diesem Trips verschlägt es uns bis fast ans Nordkap hoch. Das Klima ist rau, nur noch eine spärliche Vegetation gedeiht hier. Schöne Fische kann man immer fangen, doch auch in Lappland muss man sich die Fische zuweilen hart erarbeiten. Besonders die Saiblinge können auch im Norden äusserst wählerisch sein. Gute Kondition und Ausrüstung sind Pflicht. Nicht selten erreicht man die guten Gewässer erst nach kilometerlangem Anmarsch im unwegsamen Gelände und auch im Sommer sind die Temperaturen oft tief.



Anfangs August kriege ich Besuch von meinem besten Fischerkameraden aus Schaffhausen. Mit Zelt und Fliegenrute bewaffnet sind wir 3 Wochen auf Pirsch. An den Saiblingen beissen wir uns die Zähne aus, es scheint wir haben den falschen Tag dazu erwischt. Doch die Hecht- und Eglifischerei mit Oberflächenstreamern ist phänomenal – sehr empfehlenswert! Im weiteren widmen wir uns intensiv den Lachsen und dies mit erstaunlich gutem Erfolg. Martin gelingt bald der Fang seines ersten Lachses und es sollte nicht der letzte bleiben. Zwischendurch kämpfen wir immer wieder mit widrigen Wetterbedingungen oder dann mit kleinen blutsaugenden Freunden – doch so schlimm wie es alle prophezeit haben war es bei weitem nicht – vergisst man nicht das Antibrumm zuhause! Mir gelingt in der letzten Ferienwoche auch noch ein wahrer Traumfang: an der Einhandrute mit der Trockenfliege überliste ich einen Lachs von über einem Meter – ein heisser Kampf und unvergesslicher Moment!

Gegessen haben wir übrigens auch in der Wildnis ausgezeichnet mit frischem Fisch, Pilzen und Beeren. Doch die Zeit rinnt mir durch die Hände. Viel zu schnell sind die Ferien vorüber.


Kurz vor Saisonende begleite ich noch einen Einheimischen zum traditionellen Harling (Bootsfischen auf Lachs) auf dem Teno, dem grössten Lachsfluss Europas. Vom Ufer aus mag es langweilig aussehen, auf dem Wasser war es jedoch spannend und man sollte es einmal ausprobiert haben! Die ganze Nacht durch wird gerudert und sogar mit einem schönen Grils belohnt. Auch danach haben wir immer wieder Zupfer oder Aussteiger von teilweise deutlich grösseren Lachsen – doch sie wollen nicht hängen bleiben. Obschon wir uns zwischen den verschiedenen Driften kurze Pausen am Flussufer gönnen, die Konzentration lässt nach einer durchgefischten Nacht nach.

Zum definitiven Saisonabschluss besuche ich nochmals meinen Norwegischen Kollegen im hohen Norden und verbringe 2 wunderschöne Tage an einem kleinen Lachsfluss. Der grosse Rummel ist vorbei und nur noch ein paar wenige Einheimische sind am Wasser anzutreffen und auch ich nehme es ruhig. Ein paar Stunden fischen, etwas über den vergangen Sommer sinnieren und diskutieren und nicht zu vergessen die ausgiebige Rast inmitten reifer Heidel- und Moltebeeren. Letztere werden nicht zu unrecht als das Gold von Lappland von den Einheimischen geschätzt. Der Genuss kommt also nicht zu kurz und als Abschlusskrönung, darf ich nach schönem Drill noch eine gut 4 kg schwere Lachsdame in den Fluss zurück setzen.
Nach kaum zwei Monaten kündigt sich Ende August bereits wieder der Herbst an. Ich darf einen herrlichen „Ruska“ erleben - wie der „Indian Sommer“ im Finnischen genannt wird. Es wird Zeit für mich aufzubrechen. Die Arbeit im Süden ruft.
Bedrohter Atlantischer Wildlachs!
Obwohl Lappland die letzte grosse Wildnis Europas ist, sind einige Fischbestände relativ sensibel auf Überfischung (Äsche etc.). Auch der Atlantische Wildlachs ist im nördlichsten Zipfel Europas sehr stark bedroht. Das Problem der Überfischung in den Weltmeeren ist erkannt und wurde in den letzten Jahren angegangen. Eine existenzielle Gefahr für die Wildlachsbestände sind jedoch die alljährlich zunehmenden Zuchtlachsfarmen. Bereits heute stammen in einigen Flüssen bis zu 50% der aufsteigenden Lachse aus Zuchten. Bis heute gibt es keine Lösung um die Kreuzung zwischen Wild- und Zuchtlachs wirksam zu verhindern! Im Süden Norwegens sind dadurch bereits zahlreiche Lachsstämme für immer zerstört worden und man befürchtet zu recht, dass dies auch im Norden geschehen wird. Wird nicht bald eine Lösung für dieses Problem gefunden, wird es in Zukunft nur noch einen Lachs geben in Norwegen – den Zuchtlachs!
Ganz herzlichen Dank an Samuel Gründler für den Text und einen grossen Teil der Bilder. Samuel studierte in Finnland Fischereibiologie. Während des Sommers 2008 arbeitete er am Teno im Salmon Research Center. Er nahm sich zwei Wochen Zeit, um uns an sensationelle Spot's zu guiden. Danke, danke und nochmals danke.
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